Alte Künste

MargitHofmannAlteKuenste2-2

Margit von "Alte Künste" mit ihren Garnen

Margit Hofmann bewegte sich jahrelang zwischen zwei Welten: Während der Woche war sie als Risikomanagerin einer internationalen Großbank in Frankfurt dafür zuständig, dass große Geldbeträge rechtzeitig da landeten, wo sie sollten. Am Wochenende tauschte sie ihr Business-Kostüm gegen eine Mittelalter-Robe und zeigte in Freilichtmuseen und Mittelaltermärkten den Besuchern, wie man Wolle spinnt und wie Naalbinding oder Brettchenweben funktioniert. Und über ihre Kontakte in diese Szene kam sie auf die Idee, schöne, moderne Garne mit Pflanzenfarben zu färben. "Auf den Märkten sah man oft nur grobe Dochtwolle, dabei haben die Menschen auch früher schon eher mit feinen Garnen gearbeitet", sagt sie. Als die Bank, für die sie arbeitete, Margit ins Investment-Banking schicken wollte, hatte sie genug. "Es ist genau so gekommen, wie mein Doktorvater es mir prophezeit hatte: Ich musste mich zwischen Geld und Gewissen entscheiden."

ancient-arts-rund-03QT2Qlc7Ft0juw

 

Und so kam es, dass Dr. Margit Hofmann sich mit ihrer Idee selbständig machte: Pflanzengefärbte Garne für Handstrickerinnen, nach alten Rezepten, die sie selbst in alten Schriften recherchiert, ausprobiert und auf Haltbarkeit testet. "Meine Farben müssen immer wasch- und lichtecht sein. Dafür führe ich auch eigene Versuche durch", sagt Margit. Manche Naturfarben sind anfällig dafür, sich unter Lichteinfluss zu zersetzen. Die Testfärbungen kommen für ein paar Wochen in ein sonniges Fenster, und anschließend wird mit Hilfe von standardisierten Karten bestimmt, ob sie dem Licht standhalten oder nicht. Und nur, wenn eine neue Färbung diese Tests besteht, wird sie Teil vom "Alte Künste"-Sortiment. "Mit Pflanzenfarben ist unglaublich viel möglich, und jede Farbe harmoniert mit jeder anderen", sagt Margit. Wer den Regenbogen ihrer Garne sieht, staunt nicht schlecht: "Wir denken immer, dass die Leute nur Braun und Grau getragen haben, bevor die chemischen Farben erfunden wurden", sagt Margit, "aber das stimmt nicht. Das Mittelalter war unglaublich bunt und die Kleidung zum Teil so intensiv gefärbt, dass es für unsere Augen sehr ungewohnt aussehen würde." 

Rubin-1

Mit Pflanzen zu färben ist immer aufwändiger und oft auch energieintensiver als das Färben mit Säurefarben, weil z. B. erst einmal ein Sud gekocht werden muss. "Aber für die Herstellung von chemischen Farben braucht man auch Energie", sagt Margit. "Und Pflanzen sind – im Gegensatz zu Erdöl, das der Grundstoff für chemische Farben ist – ein nachwachsender Rohstoff." Sie hofft, mit ihren Garnen Begeisterung für pflanzlichen Färbungen zu wecken: "Die sind nämlich in Deutschland besonders schnell in Vergessenheit geraten – vielleicht weil wir das Land sind, in dem die Chemiefarben erfunden wurden." 

Sturmwolke419

 

Margit färbt am liebsten Blautöne, und als Garnbasis mag sie reine Seide: "Obwohl die eigentlich extrem schwierig zu färben ist – die Töne werden immer etwas pastelliger als es bei Pflanzenfarben ohnehin der Fall ist. Aber da eine Knallfarbe hinzubekommen, ist ein tolles Erfolgserlebnis!". Sie selbst strickt auch gerne und viel: "Im Moment habe ich eine Pulli- und Jackenphase, aber ich habe schon sehr viele Lace-Tücher aus Edelfasern gestrickt." 

Ph-nixR

Wir freuen uns sehr, dass Margit zugesagt hat, für den Strickmich! Club 2020 eine Färbung zu kreieren, die exklusiv unseren Clubmitgliedern vorbehalten sein wird. Wir sind gespannt!