Buntwurm

Wer gerne auf Wollmärkten im ganzen Land unterwegs ist, kennt ihre farbenfrohen Garne ganz bestimmt: Nicole Seelbach, auch bekannt als "Buntwurm", liebt es, ihre bunten Kreationen "live" in Szene zu setzen und freut sich an den Reaktionen der Strickerinnen. "Das macht mir einfach riesigen Spaß!", sagt Nicole. Ihre Vorliebe für Wollfeste könnte auch damit zu tun haben, dass Nicole Meisterin in einem Beruf ist, in dem es gerade darum geht, bei vorbeischlendernden Menschen Aufmerksamkeit zu wecken. "Schilder- und Lichtreklameherstellerin" hat sie gelernt, ein Querschnitt aus dem, was Elektriker, Drucker, Metallbauer, Lackierer und Schriftsetzer machen.

Auch Farben und Ästhetik spielten dabei eine Rolle, und da sind wir schon wieder ganz nah am Thema Wollefärben. "Nach der Meisterprüfung bin ich für den Job nach Hamburg gegangen, und da habe ich wieder angefangen zu stricken", erzählt Nicole. Sie stöberte gerne in den Hamburger Wollgeschäften, aber eines Tages konnte sie einfach nicht die Farbe finden, die sie für ihr nächstes Projekt im Kopf hatte. "Das war ein Curry- oder Senfgelb, das gab's damals einfach nicht zu kaufen – und ich wollte unbedingt für eine Freundin eine Mütze und Armstulpen zum Geburtstag daraus stricken, weil ihr diese Farbe so gut stand." Und so färbte Nicole ihr erstes Garn, und es war gleich ein Erfolg. "Es klappte – und meine Freundin hat sich riesig gefreut!"

Dass handgefärbte Garne ein Trend sind, war Nicole damals noch gar nicht bewusst: "Das merkte ich erst, nachdem ich auch mal auf einem Wollfest war!" Nicole begann, am Wochenende Garn zu färben und es über Facebook zu verkaufen, es kamen immer mehr Wollfeste hinzu, und seit sie 2016 zurück in ihre hessische Heimat zog, ist sie Vollzeit-Färberin: "Noch klappt es ganz gut in meiner Färbewerkstatt bei uns im Keller – aber ich merke schon, dass die bald zu klein wird..."

Wenn Nicole selbst zu den Stricknadeln greift, kommt meistens Alpaka-Garn zum Einsatz: "Davon bin ich ein großer Fan, egal ob Lacegarn für ein Tuch oder was Dickeres." Garne aus den Fasern spezieller Schafsrassen findet sie ebenfalls reizvoll: "Für mich darf das Garn gern etwas griffiger sein – mir ist eher wichtig, dass die Schafe tierfreundlich gehalten werden." Mit industriell gefärbten Garnen strickt sie gar nicht mehr, "die haben für mich völlig ihren Reiz verloren! Dafür werde ich öfters bei Handfärbe-Kolleginnen schwach und kaufe bei denen für meine Projekte ein – denn jede hat ihre eigene Handschrift."

Nicole legt großen Wert darauf, in ihrem Sortiment Garne für alle Strick-Bedürfnisse anzubieten: Yak- und Cellulosegarne für die Schafwollallergiker sowie Garne mit Baumwoll- und Bambusfasern findet man bei ihr genau so wie stabile Sockengarne und superweiches Merino. "Beim Färben möchte ich mich ständig weiterentwickeln und herausfordern", sagt Nicole. Wie sich welche Faser im Färbebad verhält, wie man welchen Effekt erzielt und das schönste Ergebnis – das ist für Nicole eine Frage von Sachkenntnis und Handwerkskunst, und da ist sie sehr ehrgeizig. Aber wie ihr Tag in der Färbeküche verläuft, hängt auch immer ein bisschen von ihrer Stimmung ab: "Wenn mir nach was Buntem ist, färbe ich Sockengarn – und wenn es gedeckter sein soll, arbeite ich an Tuch- oder Pulligarnen." Im Moment färbt sie am liebsten Beerentöne von Ultraviolett bis Flieder – "das ist lustig, denn wenn ich für mich selbst etwas stricke, nehme ich eher Herbsttöne".

Wir beim Strickmich! Club freuen uns sehr, dass Nicole zugesagt hat, eines ihrer wunderschönen Buntwurm-Garne zum Strickmich! Club 2019 beizusteuern.